CoolGirlText

“Du bist nicht wie andere Frauen” 

Lilly | 31.03.2021


Standardszenario: Ihr guckt einen Film, eine Rom-Com oder ein Liebesdrama.

Es wird romantisch, das protagonistische Heterocouple sieht sich tief in die Augen und er sagt etwas wie: “Du bist nicht wie die anderen Frauen. Du bist anders”. Hach, voll schön oder? Wie sweet auch!

Was hier als besonderes Kompliment anmutet, ist allerdings alles andere als das: Anders als andere Frauen zu sein oder es sein zu wollen ist nichts Erstrebenswertes.

Um meinen Punkt zu verdeutlichen, müssen wir uns allerdings erst einmal fragen,

wie die anderen Frauen denn überhaupt sind.

Es ist allerdings schon sehr zynisch, dass eine Gesellschaft, die Trends für Frauen kreiert, denen die meisten unmöglich gerecht werden können, (...) sich im nächsten Moment darüber lustig macht, dass Frauen eben diesem Ziel nachzugehen versuchen: Maximale Schönheit zu erlangen.

Durch die Medien, durch Werbung, durch Gesellschaft und so etwas wie “Tradition” (wohl eher Trends) etablieren sich Vorstellungen, wie Männer und Frauen zu sein haben, no news an dieser Stelle. Da wir gegen sowas wie Rollenbilder ja jetzt auch schon lang genug ankämpfen, könnte man meinen, dass wir über viele Dinge schon hinweg sind. Sieht man sich jedoch Sendungen wie Love Island, der Bachelor, oder auch Germanys Next Topmodel an, wird deutlich, dass es durchaus noch en vogue ist, sich mit weiblich und männlich konnotierten Eigenschaften zu identifizieren oder zumindest damit zu kokettieren. Auch wenn Trash-TV ein extremes Beispiel scheint, sind es letztendlich doch diese Sendungen, die offenbaren, wo wir gesellschaftlich stehen. 


Aber zurück zur “Weiblichkeit”. Ich persönlich habe mich nie über meine Handtaschen, mein Make-up oder meine Kleidung definiert. Ich fand es peinlich, wenn andere Mädchen über abgebrochene Nägel geweint oder sich täglich stundenlang die Haare geglättet haben. Ich fand auch Beauty-Influencerinnen peinlich, weil sie sich nur mit scheinbar komplett überflüssigen Dingen beschäftigen. Es ist allerdings schon sehr zynisch, dass eine Gesellschaft, die Trends für Frauen kreiert, denen die meisten unmöglich gerecht werden können, die 24h am Tag für irgendwelche Rasierer und Cremes wirbt und Frauen einschärft, dass jung und schön sein das allerwichtigste im Leben ist, sich im nächsten Moment darüber lustig macht, dass Frauen eben diesem Ziel nachzugehen versuchen: Maximale Schönheit zu erlangen.

Auch wenn wir Stück für Stück weiter kommen, ist dieses “Zicken/Tussi”-Stereotyp in Form einer Schublade in uns verankert. Als Gegenstück dazu gibt es natürlich auch Frauen, die sich nicht so gerne schminken, die sich für Fußball interessieren, denen es egal ist, was sie anhaben. Diese werten sich im Umgang mit Männern zwar zunächst ein wenig auf, weil sie “männlichere” Verhaltensmuster an den Tag legen und sie weniger Angriffsfläche in Form von weiblichen Klischees bieten, über die man sich lustig machen kann. Allerdings sind diese Frauen dann natürlich nicht fuckable, sondern höchstens ein Kumpel. Und wer will schon einen Bro anziehend finden? 

So weit, so oberflächlich und vereinfacht. Natürlich befinden sich die meisten Menschen jenseits dieser künstlichen Kategorien und es schließt sich in Wahrheit natürlich nichts davon aus. Ich möchte hier lediglich spiegeln, was medial gerne vermittelt wird und was mir im Privaten teilweise so untergekommen ist. Viele Männer möchten, dass die Frau ein gewisses Äußeres pflegt, wobei zu viel Make-Up natürlich auch wieder nicht gut ist, dass sie kleiner ist und schmaler und auch charakterlich nicht zu viel Raum einnimmt. Aber Mann, wenn sie dann Aufmerksamkeit will und sich aufregt, weil man lieber zockt, als etwas mit ihr zu unternehmen oder sauer ist, weil man etwas verbockt hat - wie nervig! Die soll echt mal chillen.

Der Versuch, dieses Idealbild von Frau zu erfüllen, die nicht zu sehr dies und nicht zu sehr das ist, ist ein Kampf gegen Windmühlen. (...) Im Endeffekt werden Frauen gegeneinander ausgespielt - und verhalten sich selbst misogyn, sprich reproduzieren Frauenfeindlichkeit.

Und hier gelangen wir zum Phänomen des Cool Girl. Zunächst gilt: Das Cool Girl ist nicht wie andere Frauen. Deutlich wird das in Filmen wie “Verrückt nach Mary”. Cameron Diaz spielt eine Frau, die tollpatschig, aber heiß ist. Die für jeden Spaß zu haben, sich für nichts zu schade und sich dabei ihrer eigenen sexuellen Anziehung nicht bewusst ist. Sie macht das einfach so locker flockig im Vorbeigehen. Ist immer fröhlich, immer leicht, immer sexy. Ähnliche Frauenfiguren finden sich in unzähligen Hollywood-Filmen. Diese Frauenfiguren, die nebenbei gesagt kaum Charakter besitzen, niemals für etwas einstehen und sich immer an die männlichen Figuren anpassen, stellen etwas dar, was unerreichbar, aber gleichzeitig unheimlich erstrebenswert ist. Sie werden durch den “Male Gaze” erzählt, sprich eine gesellschaftlich konstruierte männliche Perspektive, die Frauen gerne als Sexobjekt und zum männlichen Gefallen inszeniert. Und natürlich werden wir alle von diesem Narrativ beeinflusst. 


Der Versuch, dieses Idealbild von Frau zu erfüllen, die nicht zu sehr dies und nicht zu sehr das ist, ist ein Kampf gegen Windmühlen. Was zudem passiert, ist, dass Frauen das Verhalten von anderen Frauen, sei es nun zu mädchenhaft oder zu unweiblich, untereinander abwerten. Im Endeffekt werden Frauen gegeneinander ausgespielt - und verhalten sich selbst misogyn, sprich reproduzieren Frauenfeindlichkeit. 

Wenn euch also das nächste Mal jemand sagt, ihr wärt nicht WiE aNdeRe FrAuEn, nehmt es nicht als Kompliment. Zu sagen, mit Männern befreundet zu sein sei ja so viel entspannter, weil die seien ja nicht so zickig - das ist internalisierte Misogynie. Es ist vollkommen egal, ob Frauen (oder auch jeder andere Mensch natürlich) Fußball, Shoppen, Steak oder Make-up mögen, um bei diesen plakativen Beispielen zu bleiben. Nichts davon gibt irgendwem das Recht, andere abzuwerten oder dafür anzugreifen. Mind your own business. Und doch, ich bin schon wie viele andere Frauen und das ist vollkommen okay so. 


Seid, wer ihr wollt, nur bitte kein Cool Girl. Denn das bedeutet, Männer nicht zu kritisieren und sie in verantwortungslosem, machistischem, ignorantem, rücksichtslos egozentrischem - ^^männlichem^^ - Verhalten zu unterstützen und dieses zu tragen. Ja, Frauen werden auch zur Frauenfeindlichkeit erzogen. Danke Patriarchat. 




Quellen:

https://warda.at/magazin/lifestyle/warum-das-cool-girl-eigentlich-alles-andere-als-cool-ist/

https://de.wikipedia.org/wiki/Male_gaze

https://www.kindergartenpaedagogik.de/fachartikel/psychologie/2294

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Der Podcast Feuer und Brot:

Slutshaming - Über "Instagram Bitches" und "Ehrenfrauen"

Nerds & Nice Guys im Film: Gar nicht mal so nett

Hier wird u.a. auch das Cool Girl-Trope und der Male Gaze besprochen. 


Hier könnt ihr testen, ob ihr Frauenfeindlichkeit verinnlicht habt.


Sehr zu empfehlen dieses Video von Mirellativegal 

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